„In der Provinz Trient gibt es ein Netz aus Berg- und Höhenwegen, das sicherlich zu den schönsten, vollständigsten und geordnetsten der Alpen gehört. Größtenteils oberhalb der Baumgrenze und Hochalmen gelegen, gliedert es sich in das komplexe und verzweigte Wegesystem der Maultierpfade und der kleinen Forst- und Hirtenwege ein. Über Jahrhunderte wurden diese hier von der örtlichen Bevölkerung – oder in jüngerer Zeit von den Gemeinden – angelegt, um die Grundbedürfnisse des Berglebens zu erfüllen.“
Mit diesen Worten beschrieb Elio Caola vor ungefähr fünfzig Jahren die Entwicklung der Trentiner Wanderwege. Der ehemalige Forstverwalter und Präsident der Società Alpinisti Trentini (Trentiner Verein der Alpinisten) ist heute eine Schlüsselfigur im Vorantreiben von Kultur und Wissensvermittlung der Region.
Die Wege sind heutzutage vielzählig, alle nach Art aufgeteilt und in Akronymen benannt. Einige davon sind zu Symbolen geworden und für viele Gemeinden Zeichen der Authentizität ihrer Region. Sie sind eine kleine Reise durch Natur, Kunst, Geschichte und Kultur, die die Landschaft belebt und den Rahmen für jahrhundertealte Traditionen und Erinnerungen an alte Zivilisationen bildet. Zu den beliebtesten Wegen im Garda Trentino zählen die ersten beiden Etappen des Sentiero Frassati, ein Abschnitt des Cammino di San Vili und ein Abschnitt des Cammino di San Rocco.
In jeder italienischen Region gibt es einen Sentiero Frassati, den der Club Alpino Italiano – der italienische Alpenverein – dem seligen Pier Giorgio Frassati gewidmet hat. Der junge Turiner Student und Sportliebhaber war leidenschaftlicher Bergsteiger und verstarb 1925 mit nur 24 Jahren an einer fulminanten viralen Hirnhautentzündung, die durch Poliomyelitis verursacht wurde und die er sich wahrscheinlich bei einem seiner Besuche bei den Bedürftigen in den ärmsten Vierteln der Stadt zugezogen hatte. Der Wanderweg misst 100 km (einschließlich Schotterstraßen, Feldwege, Maultierpfade und Nebenstraßen) und verbindet Arco mit der Wallfahrtskirche San Romedio im Nonstal. Die Höhenunterschiede liegen bei etwa 4.600 m, verteilt auf 7 Etappen. Wir empfehlen die ersten beiden:
Nur wenige Kilometer von Villa Banale entfernt gibt es einen weiteren spannenden Weg: Den Cammino di San Vili, der Madonna di Campiglio im Val Rendena mit Trient verbindet. Der Weg zeichnet mehr oder weniger die Route nach, die der dritte Bischof von Trient, Vigilius, 400 n. Chr. nahm, um in der gesamten Region zu predigen. Jede Etappe ist eine Wanderung für sich und kann auch mit dem Rad befahren werden, allerdings sind eine grundlegende körperliche Vorbereitung und eine den Witterungsverhältnissen angepasste Ausrüstung erforderlich. Beide Varianten führen durch das Garda Trentino bei Comano (Stenico) und dem Valle dei Laghi und zeichnen sich durch sanftes Auf und Ab und bezaubernde Landschaft aus:
70 km Auf und Ab (höchster Punkt bei 1.400 m), 5 Etappen, 3 Gemeinden – diese Zahlen beschreiben den Cammino di San Rocco. Der Wanderweg im unteren Trentino entstand 2020 auf Wunsch der örtlichen Gemeinden und als Hommage an den Schutzheiligen gegen Pandemien, eine Schlüsselfigur der Freiwilligen und Pilger.
Die Besonderheit dieses Weges ist, dass er eine Begegnung zwischen den Ortsansässigen und jenen Wandersleuten fördert, die die Gemeinschaft aktiv erleben und die Region mit den Augen der Einheimischen sehen möchten. Die Route durchquert Gebiete, die sich durch gepflegte Landschaft und nachhaltige Landwirtschaft auszeichnen – darunter selbstverständlich auch das Grestatal, der landwirtschaftliche Kern des Garda Trentino.
Dieser Beitrag wurde in der dritten Ausgabe von BLU, dem Magazin des Garda Trentino, veröffentlicht. Er ist den Wanderwegen gewidmet, die die Region durchziehen – Wege, die Schritt für Schritt zwischen Natur, Geschichte und lokalen Gemeinschaften erlebt werden wollen. Alte und neue Routen, die von einem achtsamen, bewussten Gehen erzählen – um das Garda Trentino im Rhythmus der Landschaft kennenzulernen.
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