Die typische Trentiner Küche ist eng mit der Bergregion verbunden, in der sie zuhause ist. Sie hat ihre Natürlichkeit und den Bezug zu lokalen Zutaten bis heute bewahrt und vereint sie gekonnt zu schmackhaften, nährstoffreichen Speisen. Im Trentino hat jedes Tal seine eigenen Rezepte, die es zu entdecken und auszukosten gilt. Und jedes Rezept hat seine eigene Geschichte – tief verwurzelt in der Vergangenheit.
Eine Traditionsspeise aus dem Ledrotal sind beispielsweise die Caponec, ein einfaches Gericht aus Brot, Kräutern, Petersilie, Knoblauch, Eiern und geriebenem Käse (gewöhnlich Trentingrana). Ursprünglich haben die Bauernfamilien sie mit Kohlblättern zubereitet, woher vermutlich auch der Name Caponec stammt: Cavolo Cappuccio bedeutet Kohl auf Italienisch, im örtlichen Dialekt wird er hingegen Capús genannt. Der Kohl wurde schließlich mit den Blättern der Erdbeertraube ersetzt, die im Ledrotal vielfach zum Eigengebrauch angebaut wird. Dabei wird jedes Blatt sorgfältig ausgewählt und gesäubert, bevor es zum Einwickeln der Caponec-Füllung verwendet wird. Beim Verschließen wird darauf geachtet, dass die Blattspitzen überstehen und das Blatt nicht geknickt wird, damit es beim Kochen ganz bleibt. Diese Aufgabe ist für das Gericht ausschlaggebend, darum wird sie stets mit viel Sorgfalt und Fingerspitzengefühl ausgeübt, um das traditionelle Rezept bestmöglich zu bewahren.
Jede Familie bereitet die Caponec übrigens etwas anders zu: Mal sind sie sehr würzig, mal mild. Einige Rezepte sehen die Zugabe von Öl oder Lucanica-Wurst vor, während die Traditionalisten sogar die Zugabe von etwas Lardo kritisch sehen.
Von Dorf zu Dorf, von Familie zu Familie nimmt das Rezept andere Geschmacksnuancen an – das geht so weit, dass zwischen den verschiedenen Fraktionen eine gewisse Rivalität entstanden ist. In Enguiso gibt es sogar einen Kochwettbewerb, bei dem eine Jury die besten Caponec prämiert.
Im Sommer begleiten die Caponec die BewohnerInnen des Ledrotals dann von einem Fest zum nächsten: Los geht’s im Juni mit dem Sagra dei Santissimi Pietro e Paolo in Tiarno di Sopra, weiter im Juli mit dem Sagra di Locca und im August mit dem Dorffest in Lenzumo bis schließlich, im September, das Dorffest in Enguiso die Saison abschließt.
Die Caponec haben sich dabei vom Familien- zu einem echten Gemeinschaftsgericht entwickelt. Bis heute werden sie bei Dorffesten von der Vereinigung Pro Loco und ihren Mitgliedern zubereitet, die sich tags zuvor treffen und einen ganzen Tag den Vorbereitungen dieses typischen Gerichts widmen. Dabei helfen alle mit: Einige sammeln die Blätter (natürlich nur die schönsten!), andere waschen sie; einige bereiten die Füllung zu, andere wickeln sie ein. Es gibt diejenigen, die die Caponec mit einer Schnur binden und diejenigen, die sie anschließend kochen. Daraus ergibt sich ein Gemeinschaftsspiel, das Männer, Frauen und Kinder gleichermaßen mit einbezieht. Tatsächlich wird genau so die Tradition weitergegeben: Die ältere bringt der jüngeren Generation ihre Rezepte bei, sie verrät ihr, was die schönsten Blätter ausmacht, wie die Füllung am besten gelingt und wie die Caponec so richtig lecker werden.
Dieser Beitrag wurde in der zweiten Ausgabe von BLU, dem Magazin des Garda Trentino, veröffentlicht. Er ist den Caponec gewidmet – in Weinblätter gewickelte Knödel und echtes Symbol der lokalen Kochtradition. Wenn du sie probieren möchtest, wirf einen Blick auf die Seite zu den Sommerfesten!